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Angst, seine Gefühle zu zeigen

Gefühle zeigen und erst recht vermeintlich schwache Gefühle, das trauen sich immer weniger Menschen. Sie haben Angst, ihre Gefühle zu zeigen, aus Angst, dadurch anderen eine Angriffsfläche zu bieten. Man könnte sich ja in der Clique blamieren, wenn man zugibt, dass man tierische Angst hat, Achterbahn zu fahren. Man könnte als uncool dastehen, wenn man zugibt, dass einen die Trennung von der Freundin schmerzt. Die anderen könnten sich lustig machen, einen auslachen oder noch schlimmer, einen für ein Weichei und einen Warmduscher halten. Deshalb zeigt man besser nicht, wie es in einem aussieht. Deshalb vermeidet man Gefühlsäußerungen, die als Schwäche ausgelegt werden könnten. Deshalb lassen wir uns nichts anmerken und tun so, als stehe man über den Dingen und habe alles im Griff. Das ist cool und wird von den anderen honoriert.

Letztlich ist das Nichtzeigen der Gefühle also ein Selbstschutz, um Schmerzen und Ablehnung zu vermeiden. Und da die meisten von uns Angst vor Ablehnung und Zurückweisung haben, öffnen sich viele Menschen nicht und das umso mehr, je öfter sie erlebt haben, dass sie für ihre Offenheit bestraft wurden.

Dies bleibt jedoch nicht ohne negative Folgen für uns. Wenn wir unsere Gefühle mit uns selbst ausmachen, wenn wir keine Möglichkeit haben, mit anderen darüber zu sprechen, dann vereinsamen wir. Außerdem wirken wir auf andere Menschen als unnahbar, gefühlskalt und verschlossen, manchmal auch als arrogant.

Woher kommt unsere Angst, Gefühle zu zeigen?

Unsere Eltern vermitteln uns durch Anerkennung, Ablehnung, Nicht-Beachtung, Bestrafung oder Belohnung, ob und welche Gefühle und in welcher Form wir sie äußern dürfen. Wenn uns beigebracht wurde, dass es falsch ist, bestimmte Gefühle zu zeigen, wenn wir für bestimmte Gefühlsäußerungen bestraft wurden, dann ist es verständlich, wenn wir uns als Erwachsene schwer tun, Gefühle zu zeigen. Wenn man als Kind als überempfindlich oder als Heulsuse hingestellt wurde, dann zeigen wir als Erwachsene nicht mehr, wenn wir uns verletzt und schwach fühlen, dann verbergen wir solch vermeintlich schlechten Gefühle.

Aber auch als Jugendlicher und Erwachsener können wir aufgrund vieler Enttäuschungen und Verletzungen uns angewöhnen, keine Gefühle mehr zu zeigen. Und ein sehr häufiger Grund, warum Menschen keine Gefühle zeigen, ist, dass sie Angst haben, andere könnten ihr wahres Wesen entdecken – und davor fürchten sie sich mehr als vor allem anderen. Sie haben Angst, dass andere sie durchschauen könnten und als das sehen, was sie zu sein glauben, nämlich ein Versager, ein schlechter Mensch, der nur Fehler hat. D.h. Sie haben starke Selbstzweifel bis hin zu Minderwertigkeitsgefühlen und haben deshalb Angst, etwas von sich preis zu geben.

Wie lernen, mehr seine Gefühle zu zeigen?

Man kann noch so sehr darauf achten, keine Gefühle zu zeigen, ein genauer Beobachter wird aus unserem Verhalten, aus unserer Körpersprache, ablesen können, wie es in uns aussieht. Abgesehen davon, dass es ist also nicht möglich, seine Gefühle vor anderen komplett zu verstecken, ist das auch nicht wünschenswert.

Gerade in einer Partnerschaft oder Freundschaft ist es nämlich sehr wichtig, über seine Gefühle sprechen zu können. Wie soll der andere auf uns eingehen, uns nahe sein können, wenn wir unsere Gefühle zurückhalten und nicht äußern? 

Das Teilen von Gefühlen, den guten wie den schlechten - schweißt zusammen und verbindet. Außerdem ist es befreiend und tut gut, wenn man seine Gefühle zeigen kann. Man fühlt sich lebendig und lebt befreiter. Wenn man sich ständig kontrollieren muss, um nichts von sich preiszugeben, dann kostet das sehr viel Energie. Dann ist man ständig angespannt und nervös, und man kann nicht unbeschwert und locker mit anderen umgehen oder auf diese zugehen. Man selbst ist blockiert und man blockiert durch seine Angst jede Beziehung.

Wie also lernen, seine Gefühle mehr zu zeigen? Letztlich geht es ja bei der Angst, seine Gefühle zu zeigen, darum, dass wir Angst haben, für unsere Gefühle von anderen abgelehnt zu werden. Wir haben Angst, anderen eine Angriffsfläche zu bieten und uns zu blamieren.

Um diese Angst überwinden zu können, müssen wir bei uns selbst und unserer Einstellung zu uns ansetzen. Wir haben nämlich nur Angst, für ein Gefühl abgelehnt zu werden, wenn wir uns selbst für dieses Gefühl ablehnen. Zum Beispiel. Wenn wir Angst vor etwas haben, uns selbst dafür verurteilen, dass wir Angst haben, wenn wir uns selbst wegen unserer Angst für ein Weichei oder einen Schwächling halten, dann, und nur dann, haben wir Angst, dass andere auch so negativ über uns denken könnten. In dem Moment, indem wir uns zugestehen, Angst haben zu dürfen, ohne deshalb ein Weichei zu sein, in dem Moment verlieren wir die Angst, andere könnten uns unsere Angst als Schwäche auslegen und sich darüber lustig machen. Und damit verlieren wir auch unsere Angst, dieses Gefühl zu zeigen. Und wir verlieren die Angst, andere könnten unser wahres – vermeintlich schlechtes - Ich entdecken. Wir müssen uns nicht mehr verbiegen und verstellen. Wir können uns leben und erleben und das macht uns frei.

Wenn wir selbst mit unserer Angst annehmen, uns also zugestehen, Angst haben zu dürfen, ohne deshalb ein Schwächling oder ein Weichei zu sein, dann verhindert das natürlich nicht, dass andere sich darüber lustig machen. Wenn dies jedoch geschehen sollte, dann können wir drüber stehen - es macht uns nichts aus. Kein Mensch ist immer total cool. Jeder hat seine Schwachpunkte, seine Ängste. Denken Sie daran, wenn andere sich über eine Schwäche von Ihnen lustig machen.

Schauen Sie sich die Beiträge zu den Themen Angst vor Ablehnung, Angst vor Kritik und Angst zu versagen an. In diesen finden Sie weitere Anregungen für den Umgang mit der Angst, Ihre Gefühle zu zeigen. Ich wünsche Ihnen den Mut, mehr Ihre Gefühle zu zeigen. Was Sie dadurch gewinnen können ist mehr, als das, was Sie verlieren können. Alles Gute.

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