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Angst vor Krankheiten Einleitung

Angst vor Krankheiten - Teufelskreis der Angst - Verhaltensweisen, die die Angst vor Krankheiten verstärken

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Behandlung der Angst vor Krankheiten

In der Behandlung der Krankheitsangst hat sich die kognitive Verhaltenstherapie bewährt. In den meisten Fällen ist eine vollständige Heilung möglich. Die Psychotherapie kann ambulant erfolgen. Wenn Sie jedoch schon jahrelang unter der Krankheitsangst leiden, dann kann es Sinn machen, einen stationären Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik ins Auge zu fassen.

Ziel der Therapie wird es sein, Ihre übertriebene Krankheitsangst auf ein normales Maß der Besorgnis zu reduzieren, Maßnahmen zu ergreifen, um Krankheiten vorzubeugen etwa in Form von Vorsorgeuntersuchungen oder gesunder Lebensweise, Ihrem Körper wieder vertrauen zu lernen und ansonsten Ihr Leben zu leben.

Dieses Ziel erreichen Sie durch eine Reihe kognitiver und Verhaltens-Strategien, die Ihr Therapeut mit Ihnen erarbeitet.

So wird Ihr Therapeut mit Ihnen sicherlich über Ihre grundsätzlichen Ansichten zu Krankheiten sprechen. Und Sie werden darüber sprechen, wie Sie generell Ihre Gesundheit sehen und bewerten.

Wahrscheinlich wird Ihr Therapeut mit Ihnen auch erforschen, ob Sie als Kind Erfahrungen machten, die dazu beigetragen haben, dass Sie eine Überängstlichkeit vor Krankheiten entwickelt haben.

Sie werden darüber diskutieren, ob körperliche Symptome immer ein Hinweis auf eine schwere Erkrankung sind. Sie werden darüber sprechen, welche Bedeutung Ihre häufig verspürten Symptome haben und erkennen, dass viele der Symptome ganz normale körperliche Reaktionen auf z.B. emotionale Belastungen oder sorgenvolle Gedanken sind. D.h. Sie erkennen, dass es für Ihre Symptome noch andere, sehr viel plausiblere Erklärungen gibt, als die, an einer schweren Krankheit zu leiden.

Ihr Therapeut wird Ihnen sicher auch zeigen, welchen Einfluss Ihre ängstlichen und sorgenvollen Gedanken auf Ihr seelisches und körperliches Befinden haben, wie Sie durch Ihre ängstlichen Gedanken Ihre Symptome verstärken und wie Ihre Gedanken die Wahrnehmung Ihrer körperlichen Empfindungen beeinflussen. Und sicherlich werden sie beide darüber sprechen, wie Panikgedanken zu Panikgefühlen führen und wie Sie Ihre Panikgedanken kontrollieren können.


Ein kleines Experiment

Stellen Sie sich vor, vor Ihnen liege eine wunderschöne gelbe und saftige Zitrone. Stelle Sie sich weiter vor, Sie nehmen diese in die Hand und riechen daran. Sie können durch die Schale hindurch schon das Säuerliche riechen. Nun schneiden Sie in Ihrer Vorstellung die Zitrone in zwei Hälften. Der Zitronensaft quillt heraus. Sie nehmen die eine Hälfte in die Hand und riechen wieder daran. Nun können Sie schon sehr viel deutlicher die Säure riechen. Und nun stellen Sie sich vor, Sie beißen herzhaft in die Zitrone.

Machen Sie nun diese kleine Vorstellungsübung. Schließen Sie die Augen und stellen sich das oben Beschriebene vor.

Haben Sie sich das ausgemalt? Dann haben Sie folgendes bei sich bemerkt:

1. Ihr Mund hat vermehrt Speichel produziert und

2. Sie haben Ihr Gesicht verzogen.

Richtig? Dieses kleine Experiment zeigt Ihnen zweierlei:

Ihre Gedanken und Phantasien sind Kräfte, die Ihren Körper veranlassen, zu reagieren. Ihr Körper und Ihre Gesichtsmuskulatur haben so reagiert, als hätten Sie tatsächlich in die Zitrone gebissen. Sie haben sich so gefühlt und verhalten, als hätten Sie das getan, was Sie sich in Wahrheit nur eingebildet haben.

Sie können ferner sehen, dass Ihr Gehirn nicht unterscheiden kann, ob Sie tatsächlich etwas erleben oder ob Sie sich nur einbilden, etwas zu erleben. Obwohl Sie ganz genau wissen, dass Sie sich das Ganze nur eingebildet haben, für Ihr Gehirn war Ihre Einbildung Realität. Daran können Sie erkennen: Unser Gehirn verrichtet stumpfsinnig seine Arbeit wie ein Computer. Es kümmert sich nicht darum, ob etwas Realität oder Einbildung ist. Es verarbeitet jede Information so, als sei sie real.

Deshalb ist es enorm wichtig, dass Sie Ihrem Gehirn nicht suggerieren, Sie seien durch eine lebensgefährliche Krankheit in Gefahr. Es glaubt Ihnen nämlich unbesehen, was Sie ihm vorgaukeln und leitet entsprechende Maßnahmen ein: Sie verspüren Angst und eine Reihe körperlicher Symptome.

Ihre Gedanken und Vorstellungen spielen also eine wichtige Rolle und deshalb müssen Sie an diesen ansetzen, um Ihre Angst vor Krankheiten in den Griff zu bekommen.


Möglicherweise führt Ihr Therapeut mit Ihnen auch kleine Verhaltensübungen durch, mit deren Hilfe Sie spüren, wie Sie Ihre Angst erzeugen oder verstärken. Sie lernen dadurch, dass körperliche Missempfindungen zum Alltag gehören und nichts zu bedeuten haben.

In einem weiteren Schritt gilt es, das Erlernte ins Verhalten umzusetzen. Sie lernen, auf Verhaltensweisen zu verzichten, mit denen Sie bisher versucht haben, Ihre Angst in den Griff zu bekommen. Beispielsweise geben Sie Ihr Bemühen auf, sich immer wieder bei anderen, Angehörigen und Ärzten, rückzuversichern, dass Sie nichts Schlimmes haben. Sie lernen, sich selbst zu beruhigen, und auf Kontrollverhalten, wie z.B. das Messen Ihres Pulses, zu verzichten.

Um wieder positive Körpererfahrungen zu machen wird Ihr Therapeut Sie vermutlich auch ermutigen, Schonhaltungen aufzugeben und wieder aktiver am Leben teilzunehmen. Sport, um sich selbst wieder zu spüren und den Körper zu stärken, und Entspannungstechniken wie die Progressiven Muskelentspannung zur Reduzierung der durch die Angst verursachten vegetativen Störungen, stehen sicher auch auf der Empfehlungsliste.

Eine andere therapeutische Strategie, die Ihr Therapeut Ihnen vielleicht vorschlägt, ist die Aufmerksamkeitslenkung. Durch Übungen lernen Sie, Ihre Aufmerksamkeit auf positive Themen in Ihrem Leben, statt auf Krankheiten, zu richten.

Wenn Sie extrem negative Vorstellungen von den Folgen der schweren Erkrankung haben, wird Ihr Therapeut mit Ihnen vielleicht Vorstellungsübungen machen, in denen Sie sich ausmalen, dass Sie tatsächlich an einer schweren Krankheit leiden. Ihr Therapeut wird dann mit Ihnen über ein Thema sprechen, das Ihnen zunächst Unbehagen bereitet: über das Leben und den Tod. Die Möglichkeit, an einer schweren Krankheit zu erkranken, besteht immer. Der Tod ist im Leben eine feste Größe. Geboren werden heißt automatisch auch sterben zu müssen. Diese Tatsache und die eigene Verwundbarkeit gilt es zu akzeptieren lernen und damit zu leben.

Und schließlich lernen Sie vielleicht auch Stressbewältigungsstrategien, sodass Sie Konflikte und Alltagsprobleme, die zu körperlichen Beschwerden beitragen können, in Zukunft besser lösen können.

Im nächsten Beitrag möchte ich Ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf die Unterhaltung geben, die Sie und Ihr Therapeut vielleicht führen werden. Es geht um die Themen Sorgen, Vertrauen und Kontrolle.

Therapiegespräche

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