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Symptome der Angst vorm Erbrechen (Emetophobie)

von Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin

Erbrechen ist für viele Menschen nicht sehr angenehm, für Menschen, die unter einer Emetophobie leiden, ist es jedoch ein Horror. Bei Emetophobikern nehmen die Gedanken an das Erbrechen, die Angst vor dem Erbrechen  und entsprechende Schutzvorkehrungen einen sehr großen Raum ein.

Die Angst zu erbrechen macht sich in unserem Denken, unseren Gefühlen und Körperreaktionen und unserem Verhalten bemerkbar.

Gefühle

Das dominierende Gefühl bei einer Emetophobie ist natürlich die Angst. Wir haben Angst, dass uns übel werden und wir erbrechen könnten. Wir haben Angst, das Erbrechen nicht kontrollieren zu können, ihm ausgeliefert zu sein. Wir haben Angst, zu ersticken, uns zu blamieren, wenn wir vor anderen erbrechen, andere erbrechen zu sehen und wir haben panische Angst, eine Magen-Darm-Grippe zu bekommen, welche von Erbrechen begleitet sein kann.

Unser Selbstwertgefühl leidet sehr, weil wir uns hilflos gegenüber unserer Angst fühlen, unser Verhalten als gestört ansehen, oftmals von anderen nicht verstanden und ernst genommen werden, ja vielleicht sogar verspottet werden. Wir verspüren Schuldgefühle, weil wir oft Termine absagen und Krankenbesuche meiden.

Denken

Unser Denken dreht sich in erster Linie darum, dass wir uns ausmalen, wie wir in der Öffentlichkeit oder, wenn wir alleine, sind erbrechen, wie schrecklich es wäre, wenn andere in unserer Gegenwart erbrechen würden. Wir quälen uns ständig mit Gedanken, welche Orte und Gegebenheiten uns gefährlich  werden könnten. Wir bewerten Magendruck, Völlegefühl und Übelkeit als Hinweis auf bevorstehendes Erbrechen. Wir scannen unsere Umgebung ständig auf mögliche Gefahren ab: Sehen andere krank aus? Könnten wir uns anstecken?

Körperliche Symptome

In Situationen, in denen uns übel werden und wir erbrechen könnten, verspüren wir aufgrund der Angst körperliche Symptome wie Herzrasen, Übelkeit, Atemnot, Durchfall, Schweißausbrüche, Engegefühl in der Brust, Schwindel, Schluckbeschwerden, ja vielleicht sogar panikartige Anfälle.

Unsere ängstlichen Gedanken und Gefühle haben weitreichende Auswirkungen auf fast alle Lebensbereiche.

So leiden unsere sozialen Kontakte, weil wir Situationen meiden, in denen uns übel werden und wir oder andere erbrechen könnten. In Zeiten, in denen eine Magen-Darm-Grippe umgeht, meiden wir den Kontakt mit anderen. Wir lassen uns nicht auf feste Verabredungen ein, weil wir nicht wissen, wie es uns dann geht oder sagen Verabredungen kurzfristig wegen Übelkeit ab. Wir meiden kleine Kinder, Schwangere und Kranke, weil diese sich übergeben könnten. Wir beobachten ängstlich die Menschen in unserer Umgebung, ob diese krank aussehen und meiden den Kontakt zu diesen Personen.

Unser Umgang mit dem Essen und den Nahrungsmitteln leidet, weil wir nicht mehr unbeschwert mit Nahrungsmitteln und dem Essen umgehen können. So essen wir nur Lebensmittel, von denen wir glauben, dass sie uns bekommen, und meiden Nahrungsmittel wie Eier, Geflügel oder rohes Fleisch.

Wir essen vor bestimmten Ereignissen nichts, - wenn man nichts isst, kann man auch nichts erbrechen. Wir essen selten in Restaurants, weil wir nicht sicher sind, ob das Essen hygienisch einwandfrei ist. Wir essen sehr wenig, um uns nicht wegen Überessens übergeben zu müssen. Wir essen vielleicht nach Plan und halten einen Mindestabstand von 4 bis 5 Stunden zwischen den Mahlzeiten ein. Und wir überprüfen zwanghaft das Mindesthaltbarkeitsdatum von Nahrungsmitteln.

Unsere Bewegungs- und Handlungsfreiheit ist erheblich eingeschränkt.

Wir verzichten vielleicht auf Reisen weil uns übel werden könnte oder wir uns anstecken könnten, aber auch weil wir aus dem Flugzeug oder der Bahn nicht jederzeit flüchten können, wenn uns schlecht wird. Wir meiden Krankenhäuser, um uns nicht mit Keimen zu infizieren, die uns erbrechen lassen könnten. Wir suchen in jeder Situation nach Abfalleimern, Waschbecken oder Toiletten, in die wir uns übergeben können. Wir gehen nie ohne Brechtüten oder Medikamente wie Vomex aus dem Haus. Wir waschen uns oft die Hände, insbesondere, wenn eine Magen-Darm-Grippe umgeht oder etwas kontaminiert gewesen sein könnte, was wir angefasst haben.

Wir wählen keinen Beruf, bei dem die Wahrscheinlichkeit groß ist, mit dem Erbrechen konfrontiert zu werden – wie etwa bei Lehrern, Polizisten, Flugbegleitern, Kindergärtnerinnen, Ärzten. Notwendige Zahnarzttermine schieben wir vielleicht vor uns her.

Generell können wir nicht mehr genießen, es uns nicht mehr gutgehen lassen und uns nicht mehr entspannen, da wir ständig in Alarmbereitschaft sind. Die Lebensqualität ist gleich null.

Geht es Ihnen ähnlich? Kennen Sie solche Gefühle, Gedanken, Körperreaktionen und Verhaltensweisen auch? Suchen Sie einen Psychotherapeuten auf und lassen Sie Ihre Symptome abklären, insbesondere dann, wenn Ihre Angst Sie sehr belastet.

Wie entsteht die Angst, zu erbrechen?
Unterschied Angstübelkeit und körperlicher Übelkeit

entspannung

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