Angst, Nein zu sagen 3: Entstehung

Warum hat man Angst Nein zu sagen? Die Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf geht auf die Ursachen der Angst Nein zu sagen ein.

Hinter der Angst, Nein zu sagen, verbergen sich viele unterschiedliche Befürchtungen, über die dieses Video informiert.

Ursachen der Angst vorm Neinsagen

Die meisten Menschen haben Schwierigkeiten, Nein zu sagen, weil sie angst vor den Konsequenzen haben. Wenn Sie wissen möchten, wie stark Ihre Angst vorm Neinsagen ist, dann machen Sie den Angst vorm Neinsagen Test. Sie denken sich: wenn ich Nein sage, dann

  • bin ich schuld, wenn der andere enttäuscht, verärgert oder verletzt ist, und das könnte ich nicht ertragen.
  • bin ich herzlos und , und das wäre schlimm.
  • wird der andere mich beschuldigen oder aggressiv reagieren, und damit kann ich nicht umgehen.
  • verliere ich die Arbeitsstelle, meinen Partner, meine Freundin, und das wäre furchtbar; damit könnte ich nicht fertig werden.
  • wird etwas ganz Schlimmes passieren, das ich mir gar nicht auszumalen wage, damit könnte ich nicht leben.
  • bin ich nicht so, wie es andere von mir erwarten, und sie werden mich ablehnen, das wäre furchtbar.
  • werden andere mich meiden und ich bin alleine, und das könnte ich nicht ertragen.
  • könnte ich einen Fehler machen, für den ich zur Rechenschaft gezogen werde, und das wäre furchtbar.
  • wird die Harmonie in unserer Beziehung zerstört - und das könnte ich nicht ertragen.

Kommen Ihnen diese Gedanken vertraut vor? Wenn Sie Angst haben, Nein zu sagen, sicherlich. Kein Wunder, dass Sie lieber klein bei geben und Ja sagen, wenn Sie bei einem Nein solche schlimme Dinge befürchten.

Nur, warum befürchten wir solch schlimme Folgen? Das muss doch einen Grund haben, dass wir uns so schwer tun, Nein zu sagen, während andere damit offensichtlich keine Probleme haben.

 

Wie entsteht die Angst vom Neinsagen?

Die Angst nein zu sagen entsteht in unserer Kindheit. Welche Erfahrungen zu der Angst, nein zu sagen, führen können, das ist das Thema dieses Videos.

Meist entsteht die Angst vor dem Neinsagen in unserer Kindheit. Von klein auf machen wir Tag für Tag eine Menge Erfahrungen, die unser Denken, Fühlen und Handeln in großem Maße prägen. Wir sind als Kinder abhängig von der Zuwendung und Fürsorge unserer Eltern. Diese Hilflosigkeit und Unselbständigkeit machten sich unsere Eltern zunutze - in der besten Absicht, aber leider zu unserem Nachteil. Sie machten ihre Liebe zu uns von der Erfüllung bestimmter Bedingungen abhängig.

Vielleicht haben Sie sich in Ihrer Kindheit oft anhören müssen: "Ich mag dich nicht, wenn du so unartig bist”, oder "Solange du dir deine Haare nicht schneiden lässt, bist du bei mir unten durch", oder "Ich habe dich lieb, wenn du deine Schulaufgaben machst".

Durch solche Worte unserer Eltern entwickelten wir die Einstellung: "Nur wenn ich so bin, wie andere mich haben wollen, dann bin ich liebenswert und bekomme deren Liebe und Anerkennung. Tue ich jedoch, was ich möchte, dann muss ich Angst haben, dass das den anderen nicht gefällt. Und wenn den anderen nicht gefällt, was ich mache, dann lassen sie mich vielleicht im Stich und das wäre mein Ende".

Was blieb uns anderes übrig, als brav zu sein, wenn wir nicht die Liebe unserer Eltern verlieren wollten? Wir hatten keine andere Wahl, als ein braver Junge oder ein braves Mädchen zu sein und uns nach den Spielregeln der Erwachsenen zu verhalten.

Eine andere Lektion bestand vielleicht darin, uns auf sehr persönliche und verletzende Weise auf unsere Fehler und Schwächen aufmerksam zu machen und uns mehr zu tadeln, als zu loben. Wir lernen zwangsläufig, an uns zu zweifeln, und entwickeln in Folge davon Ängste und Hemmungen. Wir glauben, kein Anrecht auf die Erfüllung unserer Bedürfnisse zu haben.

Und vielleicht hatte unser Nein in der Kindheit immer auch Streit, Bestrafung oder sogar körperliche Gewalt zur Folge, sodass wir die Erfahrung machten, wehrlos zu sein. Es könnte auch sein, dass wir erlebt haben, wie stark ein Nein die Harmonie zwischen uns und unseren Eltern zerstört hat.

Die Eltern haben uns vielleicht mit Nichtbeachtung und Rückzug bestraft. Wir haben uns ohnmächtig und schuldig gefühlt. So haben wir gelernt, dass ein Nein eine Beziehung zerstören kann. Wenn unsere Eltern sich schwertaten, anderen etwas abzuschlagen und immer die Rede davon war "Das können wir nicht machen. Was sollen die anderen denken", dann waren sie für uns nicht gerade Vorbilder im Nein-Sagen und auch wir fragen uns dann heute ständig, was wohl die anderen über ein Nein von uns denken.

Vielleicht haben uns unsere Eltern, Lehrer oder der Pfarrer auch vermittelt, dass gute Menschen zuletzt an sich denken. Uns wurde Selbstlosigkeit als Tugend dargestellt und seinen Willen durchsetzen als Egoismus, für den man, wenn nicht auf Erden, so doch spätestens danach bestraft würde.

Gleichgültig, welche Ursachen zur Entwicklung unserer Angst geführt haben, das Kind von damals und seine Ängste wohnen immer noch in uns. Wir sind längst keine Kinder mehr, die, um überleben zu können, es anderen recht machen müssen, und dennoch verhalten wir uns noch so, als ob Ablehnung einem Todesurteil gleichkäme.

Wir leben immer noch in der Zwangsjacke des Nett-Sein-Müssens und Andere-Nicht-Enttäuschen-Dürfens und trauen uns nicht, sie auszuziehen. Wir haben Hemmungen, uns durchzusetzen und unsere Bedürfnisse und Wünsche zu äußern.

Wir tun vieles nur, um andere zufrieden zu stellen, um bei ihnen anzukommen und die gute Beziehung nicht zu zerstören. Wir sagen ja, obwohl wir Nein sagen möchten, und sagen nichts um des lieben Friedens willen. Ringen wir uns einmal durch, das zu tun, was wir möchten und was wir für richtig halten, dann haben wir ein schlechtes Gewissen und fühlen uns wie ein Schwerverbrecher.

Erfahrungen der Kindheit, die es uns schwer machen, Nein zu sagen.

Sechs grundlegende Einstellungen sind für die Angst vor dem Nein-Sagen verantwortlich. Dieses Video stellt Ihnen diese Einstellungen und deren Auswirkungen auf die Gefühle und das Verhalten vor.

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