Angst vor Ablehnung 4: Behandlung

Wenn Sie Ihre Angst vor Ablehnung überwinden möchten dann erfahren Sie hier welche Schritte hierfür notwendig sind.

Ihre Angst vor Ablehnung ist so stark, dass Sie eine Therapie erwägen? Dieses Video erklärt, was Sie in einer Therapie lernen und wie die Angst vor Ablehnung gewöhnlich behandelt wird.

Wenn wir eine große Angst vor Ablehnung haben, dann haben wir meist auch viele persönliche, zwischenmenschliche oder berufliche Probleme. Wir sollten uns therapeutische Unterstützung holen, wenn

  • wir uns von anderen zurückziehen und uns abkapseln,
  • wir uns ausgebrannt fühlen oder Depressionen haben,
  • wir regelmäßig Alkohol oder Medikamente einsetzen, um die Angst zu mildern,
  • wir körperliche Beschwerden haben, aber keine organischen Ursachen zu finden sind,
  • unser Arbeitsplatz oder die Partnerschaft gefährdet sind.

Was Sie in einer Therapie erwartet

In einer Therapie werden Sie und Ihr Therapeut vielleicht etwas in Ihrer Kindheit stöbern, um herauszufinden, wie und warum Sie heute eine so schlechte Meinung von sich haben. Denn von sich aus sind Sie darauf nicht gekommen. Das haben Sie sich nicht selbst ausgedacht, das haben Sie von anderen.

Dieses Wissen kann Ihnen helfen, weil Sie vielleicht erkennen, dass es ganz normal und verständlich ist, warum Sie heute gering von sich denken. Um Ihre Angst vor Ablehnung überwinden zu können, müssen Sie sich von der Vergangenheit frei machen und sich klarmachen: Ich bin kein Opfer. Ich übernehme ab sofort für mich und mein Leben die Verantwortung und entscheide selbst, ob ich liebenswert und wertvoll bin.

Es gibt in Therapeutenkreisen einen makabren Witz. Ein Klient sagt dem Therapeuten: Herr Doktor, ich fühle mich so minderwertig. Worauf der Therapeut antwortet: Nein, Sie irren sich, Sie sind minderwertig.

Warum erzähle ich diesen Witz? Nun, weil er für Ihre Therapie von großer Bedeutung ist. Ist es nicht so, dass Sie felsenfest davon überzeugt sind, nicht in Ordnung oder gar minderwertig zu sein? Ich denke schon und das ist Ihr eigentliches, Ihr größtes Problem, das maßgeblich für Ihre große Angst vor Ablehnung verantwortlich ist.

Deshalb wird Ihr Therapeut mit Ihnen ein wenig diskutieren. Sie lernen, Ihre Einstellungen zu sich zu hinterfragen und in Frage zu stellen. Ihr Therapeut wird Sie fragen, wo Ihre Beweise dafür sind, dass Sie dumm oder minderwertig sind.

Er wird Sie auffordern, Ihre Einstellung, ohne die Anerkennung der anderen nicht leben zu können, zu hinterfragen und zu korrigieren. Diese Erkenntnis alleine wird Sie jedoch nicht sehr weiterbringen. Dieses Wissen alleine wird Ihnen nicht helfen, sich von Ihren selbstabwertenden Gedanken und Ihren Minderwertigkeitsgefühlen zu befreien.

Ingeborg, eine Betroffene, erzählt: Was ich am meisten lernen musste ist, dass ich wertvoll und liebenswert bin und eine Menge sehr gut gebacken kriege und dass die Rückversicherung, ob der andere mich mag oder nicht, absolut nichts bringt.

Im Laufe der Therapie lernen Sie, sich selbst mehr anzunehmen, sich selbst den Rücken und damit Ihr Selbstvertrauen zu stärken - und das nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. D.h. Ihr Therapeut wird Ihnen vermutlich eine Reihe von Verhaltensübungen mit nach Hause geben, durch die Sie das theoretisch erworbene Wissen in die Praxis umsetzen sollen.

In der Therapie lernt das kleine verängstigte Kind in Ihnen erwachsen zu werden, indem es lernt, sich eine eigene Meinung über sich zu bilden. Es erkennt und lernt, dass es in Wirklichkeit liebenswert, groß und stark ist und dass es ein Irrtum war, die Meinung seiner Eltern zu übernehmen.

Die Meinung anderer sagt nichts über Sie aus.

Wenn 100 Menschen denselben Kinofilm anschauen, wie viele unterschiedliche Reaktionen bekommen Sie. Viele. Manche finden den Film langweilig, manche sind zu Tränen gerührt, manche finden ihn so olala, manche halten ihn für Schwachsinn, zu langatmig, zu wenig spannend, usw.

Ist das jetzt ein guter oder schlechter Film? Weder noch. Es ist einfach ein Film. Auf Sie bezogen heißt das: Was andere über Sie denken, hat nichts mit Ihnen zu tun. Das Urteil der anderen über Sie sagt etwas über den Geschmack der anderen aus. Kein Grund also, an Ihnen zu zweifeln. Mehr darüber in der Lebensweisheit: Man kann es nicht allen Recht machen.

Momentan ist es ja so, dass Ihr Selbstwert eigentlich ein Fremdwert ist. Sie haben Ihren Selbstwert von Ihren Eltern und Erziehern, deren Verhalten Sie oft so interpretiert haben, dass Sie nicht liebenswert sind. Sie haben sich deren Meinung zu eigen gemacht, ohne je zu fragen, ob diese richtig oder falsch ist, ob die anderen sich nicht vielleicht geirrt haben. Sie werden (müssen) erkennen, dass Sie sich all die Jahre selbst belogen haben, als Sie sich eingeredet haben, minderwertig oder ein Versager zu sein.

Wären Sie in einem Umfeld aufgewachsen, das Ihnen das Gefühl vermittelt hätte, liebenswert zu sein, dann hätten Sie heute eine positive Selbstachtung.

Dies ist ein langsamer Prozess, der sich über Wochen und Monate hinweg erstreckt. Am Ende dieses Wegs, eines Tages in der Zukunft, werden Sie in den Spiegel schauen und Ihnen wird gefallen, was Sie sehen.

Sie werden eine bessere Meinung von sich haben und dann wird Ihre Angst vor Ablehnung Sie nicht länger daran hindern, sich frei und unbeschwert unter Menschen zu bewegen. Sie werden nicht mehr ständig darüber grübeln, was andere wohl von Ihnen denken. Eine Ablehnung wird für Sie kein Weltuntergang mehr sein. Bis dahin ist es noch ein Stück des Weges. Alles Gute für Sie.

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