Angst vor Ablehnung 3: Entstehung

Die Angst vor Ablehnung entsteht in der Kindheit. Hier lernen wir 3 Einstellungen die für unsere Angst abgelehnt zu werden verantwortlich sind.

In vielen Fällen entsteht die Angst vor Ablehnung in der Kindheit. In dieser Zeit machen wir negative Erfahrungen, die für die Angst vor Ablehnung verantwortlich sind. Dieses Video zeigt, welche das sind.

So entsteht die Angst vor Ablehnung

In den meisten Fällen entsteht die Angst vor Ablehnung in unserer Kindheit, genauer gesagt in den ersten 7 Lebensjahren. In dieser Zeit lernen viele von uns 3 zentrale Einstellungen, die uns meist das ganze weitere Leben begleiten. Diese Einstellungen lauten:

Ich werde nur akzeptiert, wenn ich lieb bin.

Ich bin nur liebenswert, wenn ich lieb bin.

Ich werde nur akzeptiert, wenn ich eine gute Leistung bringe.

Wenn wir von unseren Eltern nur angenommen und gelobt werden, wenn wir uns so verhalten, wie sie es sich wünschen, und sie uns ablehnen, wenn wir uns anders verhalten, dann lernen wir: gemocht werde ich nur dann, wenn ich tue, was andere von mir verlangen. Tue ich, was ich will, stoße ich auf Ablehnung.

Dabei reicht es schon, dass wir als Kinder den Eindruck haben, nicht um unserer Selbstwillen gemocht zu werden. Es müssen keine harschen Worte fallen und wir müssen nicht geschlagen werden, um das Gefühl zu haben, nicht erwünscht zu sein und abgelehnt zu werden. Schon ein strafender oder tadelnder Blick reichte, um uns in Lebensgefahr zu sehen.

Ingeborg, eine Patientin, erzählt

Ich habe als Kind nur positive Zuwendung bekommen, wenn ich "lieb" war und gut funktionierte. Ich hörte von meiner Mutter immer: ich wünsch mir brave Kinder. War ich unartig, bekam ich zu hören: „Du bringst mich noch ins Grab“ und „Wegen dir bekomme ich ganz graue Haare“. Erfüllte ich nicht ihre Erwartungen, bekam ich zu hören: „Du enttäuschst mich. Ich hätte mehr von dir erwartet“.

Das hat mir damals unheimlich Angst gemacht. Als Kind nimmt man solche Worte todernst. Heute habe ich totale Angst vor Ablehnung, wenn mal was schief geht oder ich irgendwas nicht richtig mache. Das ist doch zu blöd. Ich weiß ja, dass die Welt nicht untergeht, wenn ich etwas falsch mache. Aber ich habe sofort dieses Gefühl, als ob dem so wäre.

Warum nehmen wir uns als Kinder solche Worte so zu Herzen und warum reagieren wir als Erwachsene immer noch verängstigt? Der Grund ist: Wir sind als Kinder völlig abhängig von der Zuwendung und Fürsorge unserer Eltern. Ohne sie können wir nicht überleben.

Eine Ablehnung durch Worte oder Blicke empfinden wir als Kinder immer als ein im Stich-Gelassen- und Verstoßen-Werden. Und das kommt für ein dreijähriges Kind einem Todesurteil gleich. Haben wir nicht das Grundvertrauen, dass man für uns sorgen wird, dann entwickeln wir als Kinder eine große Angst vor Ablehnung und dem Verstoßenwerden.

Als Erwachsene hängt unser Leben nicht mehr vom Urteil anderer Menschen ab. Dennoch empfinden wir bei Ablehnung reflexartig so, wie das drei- oder fünfjährige Kind, das seinen Eltern auf Gedeih und Verderben ausgeliefert war.

Der Grund ist: Wir tragen quasi immer noch den kleinen verängstigten Jungen oder das kleine verängstigte Mädchen in uns, die eine Ablehnung als existenzielle Bedrohung empfinden. Das Kind in uns ist nicht erwachsen geworden. Es denkt immer noch: "Nur wenn ich so bin, wie andere mich haben wollen, dann bin ich liebenswert und bekomme deren Liebe und Anerkennung.

Tue ich jedoch, was ich möchte, dann muss ich Angst haben, dass das den anderen nicht gefällt. Und wenn den anderen nicht gefällt, was ich mache, dann lassen sie mich vielleicht im Stich und das wäre mein Ende".

Eine andere Lektion in unserer Kindheit und Jugend bestand vielleicht darin, uns auf sehr persönliche und verletzende Weise auf unsere Fehler und Schwächen aufmerksam zu machen. Wir mussten uns vielleicht des öfteren anhören:

  • Du taugst nichts.
  • Aus dir wird nie etwas werden.
  • Du bist ein Tollpatsch.
  • Du bist so was von blöd.
  • Wegen dir muss man sich schämen.
  • Du bist zu nichts zu gebrauchen.
  • Mit dir hat man nur Scherereien.

Dadurch haben wir gelernt, an uns zu zweifeln, und haben kein Selbstvertrauen entwickelt. Wir haben die Angst entwickelt, zu versagen oder nicht zu genügen und deshalb abgelehnt zu werden. Doch damit nicht genug. Unsere Eltern, Lehrer und andere Erwachsene gaben uns vielleicht Verhaltensregeln mit auf den Weg, die es - unter Androhung von Liebesentzug - galt, einzuhalten, und die heute dazu beitragen, dass wir Angst vor Ablehnung haben.

Kommen Ihnen die folgenden Regeln bekannt vor?

  • Das schickt sich nicht für ein Mädchen.
  • Verscherze es dir nicht mit anderen. Das bekommt dir nicht.
  • Man muss immer gute Mine zum bösen Spiel machen.
  • Ein Junge weint nicht.
  • Das gehört sich nicht.
  • Mach etwas richtig oder lass´ es sein.
  • Nimm dich nicht so wichtig.

Auch Nichtbeachtung oder Bevorzugung von Geschwistern, kann dazu führen, dass wir über Jahre hinweg den Eindruck bekommen, weniger wichtig und weniger liebenswert zu sein als andere.

Und natürlich hatten auch Erfahrungen mit unseren Spiel- und Schulkameraden einen Einfluss auf unser Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Vielleicht wurden wir in der Schule gemobbt. Vielleicht hatten wir eine körperliche oder persönliche Auffälligkeit und wurden so zur Zielscheibe von Spott und Hänseleien, die an unserem Selbstwertgefühl genagt haben.

Welche Erfahrungen Ihrer Kindheit Sie auch immer geprägt haben, diese führten dazu, dass Sie heute in der ständigen Angst leben, etwas falsch zu machen und dafür abgelehnt zu werden. Hermann Hesse drückte das so aus:

Wenn man jemanden fürchtet, dann kommt es daher, dass man diesem Jemand Macht über sich einräumt.

Wir haben Angst vor Ablehnung, wenn wir anderen die Macht geben, über unseren Wert zu entscheiden!

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