Angst vor Kritik 2: Ursachen

Die Angst vor Kritik entsteht in den ersten Lebensjahren durch Erfahrungen mit unseren Eltern und Erziehern. In dieser Zeit lernen wir Kritik als bedrohlich anzusehen.

Die Angst vor Kritik ist eigentlich eine Angst vor Ablehnung. Wir haben Angst, als Person bewertet, verurteilt und abgelehnt zu werden, wenn man uns kritisiert. Dieses Video informiert, woher die Angst vor Ablehnung kommt.

Meist entsteht die Angst vor Kritik schon in unserer Kindheit. Von klein auf machen wir Tag für Tag Erfahrungen, die unsere Angst vor Kritik und Ablehnung schüren. Was sind das für Erfahrungen? Unsere Eltern versuchen, aus uns rechtschaffene erfolgreiche Menschen zu machen. Sie wollen uns vor Gefahren bewahren und uns die Regeln des Zusammenlebens vermitteln. Hierzu nutzen sie als eine Erziehungsmethode die Kritik. Wann immer unser Verhalten aus ihrer Sicht nicht richtig ist, kritisieren sie uns. Häufig folgt dann auch noch eine Bestrafung.

Je nachdem, in welcher Form sie unser Verhalten kritisiert haben, hatte das Auswirkungen auf unser Selbstwertgefühl. Wenn sie nicht nur unser Verhalten kritisiert haben, sondern unsere ganze Person, dann haben wir gelernt: Wenn ich etwas Falsches tue oder sage, dann bin ich nicht mehr liebenswert. Dann bin ich kein guter Junge, kein gutes Mädchen. Sätze, die in uns das Gefühl entstehen ließen, als Mensch nicht in Ordnung zu sein, waren vielleicht:

  • Wie kannst du nur so dumm sein,
  • Mit dir muss man sich schämen.

Wir entwickeln die Einstellung: "Kritik bedeutet, ich bin nicht in Ordnung, so wie ich bin." oder "Ich muss perfekt sein, sonst mag man mich nicht". Wenn wir klein sind, dann setzen uns solche negativen Sätze besonders zu. Wir sind noch in großem Maße von unseren Eltern und deren Fürsorge abhängig. Ohne sie könnten wir nicht leben, nicht überleben.

Ein Kind erlebt einen Liebesentzug immer als eine existenzielle Bedrohung. Deshalb haben wir große Angst vor dem Liebesentzug und entwickeln eine Angst vor Ablehnung und Kritik. Heute ruft die Kritik in uns immer noch dieselben hilflosen Gefu?hle wach wie in unserer Kindheit. Wir fu?hlen uns auch als Erwachsene quasi immer noch existenziell bedroht, wenn man uns kritisiert.

Und genau wie in unserer Kindheit, reagieren wir als Erwachsene auf Kritik mit Verteidigung und Entschuldigung, Gegenangriff, Ru?ckzug oder stillem Protest. Und die Erfahrungen in unserer Kindheit mit Kritik haben auch Auswirkungen darauf, wie wir mit uns selbst umgehen. Wir entwickeln die Haltung: "Wenn ich einen Fehler mache, dann kann ich mich selbst auch nicht mo?gen". Wir kritisieren uns als Erwachsene ebenso, wie uns unsere Eltern kritisiert haben.

Was ist so schlimm an Kritik?

Kritik als solche ist weder gut noch schlecht. Entscheidend ist, welche Bedeutung wir der Kritik beimessen. Für die meisten von uns ist Kritik unangenehm, für manche bedrohlich, nur wenige freuen sich über Kritik. Natürlich kommt es auch darauf an, von wem und in welcher Form Kritik geäußert wird.

Haben wir in der Kindheit gelernt, Kritik mit Liebesentzug oder Infragestellung der der eigenen Person zu verbinden, - und bleiben auch als Erwachsener bei dieser Sichtweise -, dann ist eine Kritik bedrohlich für uns. Mehr über den Umgang mit Kritik und den Umgang mit sehr destruktiver Kritik. Wir handeln dann im Alltag nach 2 ganz grundlegenden Einstellungen, die ich Ihnen vorstellen möchte.

Einstellungen, die zur Angst vor Kritik führen

Dieses Video zeigt, welches Einstellungen dafür verantwortlich sind, dass wir Angst vor Kritik und Ablehnung haben. Alle Erfahrungen, die wir als Kinder und Jugendliche machen, prägen unser Denken und damit unser Fühlen und Handeln. Die folgenden beiden Einstellungen sind quasi die Quintessenz unserer negativen Erfahrungen als Kinder und Jugendliche, wenn wir eine große Angst vor Ablehnung und Kritik entwickelt haben:

Eine Einstellung lautet: Ich bin nicht in Ordnung. Ich bin dumm, minderwertig, unattraktiv, langweilig, ein Versager.

Durch diese selbstabwertenden Gedanken fühlen wir uns minderwertig. Und weil wir überzeugt sind, minderwertig zu sein, haben wir Angst, andere könnten über uns ebenfalls so negativ denken. Wir haben Angst, andere könnten unser vermeintlich wahres Ich - unsere Minderwertigkeit - erkennen. Wenn andere uns kritisieren, dann fühlen wir uns quasi bei unser Unfähigkeit und unseren Schwächen ertappt.

Die andere Einstellung lautet: Ich brauche die Anerkennung der anderen. Wenn diese mich nicht mögen, bedeutet das, dass ich nicht liebenswert bin.

Wir machen unseren Wert also vom Urteil anderer abhängig. Mit dieser Einstellung tun wir alles, um Kritik zu vermeiden und uns die Anerkennung der anderen zu erhalten. Wir unterlassen alles, wodurch wir bei anderen in Ungnade fallen könnten.

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