Angst & Panik Beratung für Betroffene und Angehörige

Gesunde & krankmachende Gedanken

© Dr. Doris Wolf, Diplom Psychologin

Gewöhnlich beachten wir unser Denken wenig. Unser Augenmerk liegt auf unseren Gefühlen.

Selbst wenn wir sehr starke negative Gefühle verspüren, kommen wir häufig nicht auf die Idee, nach unseren Gedanken zu schauen.

Das ist bedauerlich, denn unsere Gedanken spielen eine sehr große Rolle für unsere Gefühle.

Über eine Veränderung unserer Gedanken können wir unsere Gefühle beeinflussen.

Deshalb möchte ich Sie im Folgenden darüber informieren,

Mit den beiden Regeln haben Sie die Möglichkeit, Ihre Gedanken zu überprüfen und zu korrigieren, sodass Sie sich genau so fühlen und verhalten können, wie Sie es sich wünschen.

Wie Sie schädliches von gesundem Denken unterscheiden

In jedem Augenblick unseres Lebens bewerten wir uns und was wir erleben.

Nicht immer ist unsere Einschätzung der Situation korrekt. Wir sehen z.B. eine Gefahr, wo keine vorliegt, oder übertreiben das Ausmaß der Gefahr.

Und wir unter- oder überschätzen unsere Bewältigungsmöglichkeiten. Wie sehen uns selbst negativ und schwächen dadurch unser Selbstwertgefühl.

Wir übertreiben das Ausmaß eines Fehlers oder sehen eine Kritik als vernichtende Katastrophe. Unser Denken ist also fehlerhaft.

Die Folgen unserer Denkfehler sind, dass wir uns z.B. schlechter fühlen, als es in den betreffenden Situationen sein müsste. Wir haben Angst, wo keine Gefahr besteht.

Wir meiden Situationen oder flüchten aus Situationen, die nicht gefährlich sind. Wir betäuben unsere negativen Gefühle mit Suchtmitteln, wo es keinen Grund für diese Gefühle gibt. Wir fühlen uns verletzt und gekränkt, wenn ein anderer uns seine Meinung sagt.

Wir fühlen hoffnungslos, obwohl es Lösungen für unser Problem gibt. Wir fühlen uns minderwertig, obwohl wir liebenswert sind.

Es bringt uns also Vorteile, wenn wir darauf achten, dass unser Denken der Situation angemessen ist.

Umgekehrt sehen die Kennzeichen fehlerhaften unangemessenen Denkens so aus:

Sie können selbst herausfinden, um welche Art Gedanken es sich handelt, indem Sie die 2 Fragen für gesundes Denken auf Ihre Gedanken anwenden.

Wenn Sie die beiden Fragen verneinen können, also herausgefunden haben, dass Ihr Denken der Situation nicht angemessen ist und Sie Ihr Ziel damit nicht erreichen können, stellen Sie sich die Frage:

Mit Hilfe dieser Frage finden Sie dann hilfreiche und der Situation angemessene Gedanken.

Manchmal tun wir uns dabei jedoch schwer, weil wir von unseren negativen Gedanken überzeugt sind und sie bereits sehr lange denken.

Wir können uns dann andere Menschen, die dieses Problem nicht haben oder bereits überwunden haben, als Vorbild nehmen und fragen, wie diese die Situation bewerten.

Wie Sie die erste Regel für gesundes Denken anwenden

Die erste Regel für gesundes Denken lautet:

1. Gesundes Denken entspricht den Tatsachen.

"Es sind nicht die Dinge, die Sie beunruhigen, sondern Ihre Sicht der Dinge.", das sagte bereits der griechische Philosoph Epiktet.

Die Bedeutung, die Sie einer Sache beimessen, bestimmt, wie Sie sich fühlen.

Es sind immer Ihre ganz persönlichen Ansichten über die Wirklichkeit, mit denen Sie sich in Schwierigkeiten bringen. Würden Sie die Dinge immer so sehen, wie sie sind, dann hätten Sie keine Probleme.

Wenn Sie einer Katze zusehen, wie sie erst einige Zeit mit der Maus spielt, um sie dann schließlich zu töten, und Sie sagen: "Die Katze treibt ein grausames Spiel.", dann ist das keine Tatsache!

Sie bewerten (empfinden) das Verhalten der Katze als grausam. Sie drücken damit Ihre Meinung über eine Tatsache aus.

Die Katze tut nur etwas, was alle Katzen tun. Sie folgt einem Instinkt. Das Verhalten der Katze ist weder gut, noch schlecht.

Wenn Sie sagen: "Das ist ein langweiliger Sonntag", dann drücken Sie damit Ihre Meinung über diesen Tag aus. Der Tag als solcher ist weder langweilig, noch aufregend.

Wenn Sie von jemandem behaupten, er lege ein schlechtes Benehmen an den Tag, dann ist das Ihre Meinung. Sie haben eine bestimmte Vorstellung, wie gutes und schlechtes Benehmen aussieht, und beurteilen danach das Verhalten der anderen.

Ihre Vorstellung, was ein gutes und schlechtes Benehmen ist, ist jedoch Ihre ganz persönliche Ansicht, die Sie vielleicht von Ihren Eltern übernommen haben.

Es mag sein, dass viele Menschen Ihre Meinung teilen, aber das ändert nichts daran, dass ein Benehmen im Grunde genommen weder gut, noch schlecht ist.

Immer dann, wenn Sie Gefühle verspüren, die Sie lähmen und daran hindern, so zu leben, wie Sie möchten, dann stimmen Ihre Ansichten nicht mit der Wirklichkeit überein.

Sie sehen sich und die Dinge durch eine Einstellungs-Brille, die die Wirklichkeit verzerrt.

Wenn Sie Gefühle des Unglücklichseins, der Angst, der Verzweiflung und des Ärgers vermeiden oder überwinden wollen, dann müssen Sie Ihr Denken an den Tatsachen orientieren.

Stellen Sie sich immer dann, wenn Sie sich schlechter fühlen, als Sie möchten, die Fragen:

1. Entspricht mein Gedanke den Tatsachen?

Stimmt das wirklich oder ist das nur meine persönliche Meinung? Gibt es Beweise, dass es eine Tatsache ist?

Geben Sie sich auf die Frage "Entspricht mein Gedanke den Tatsachen?" eine ehrliche Antwort.

Können Sie die Frage mit "Nein" beantworten, zeigt Ihnen das, dass Sie übertrieben haben. Sie haben die Sache dramatisiert und schlimmer gemacht, als sie in Wirklichkeit ist.

Und da Ihre Gedanken Ihre Gefühle bestimmen, haben Sie also auch negative oder schlimmere Gefühle, als sie der Situation angemessen sind.

ratgeber Gefühle verstehen

Wie die zweite Regel für gesundes Denken anwenden?

Die zweite Regel für gesundes Denken lautet:

Gesundes Denken hilft Ihnen, sich so zu fühlen und zu verhalten, wie Sie es möchten.

Der häufigste Grund, warum Menschen in eine Therapie gehen oder ihr Leben verändern wollen, ist der, dass sie sich nicht so fühlen, wie sie sich fühlen möchten.

Negative Gefühle sind wie körperliche Schmerzen ein Warnzeichen. Während körperliche Schmerzen Ihnen anzeigen, dass in Ihrem Körper etwas nicht richtig funktioniert, sind negative Gefühle ein Hinweis darauf, dass Sie etwas negativ bewerten.

Wenn Sie sich für einen Versager halten oder sich als minderwertig ansehen, dann ist es vollkommen normal, dass Sie deprimiert sind und sich minderwertig fühlen.

Wären Sie bei solch negativen Gedanken guter Dinge, dann wäre das ein sicherer Hinweis darauf, dass etwas mit Ihrem Gehirn nicht in Ordnung ist.

Solange Sie sich bei solchen negativen Gedanken schlecht fühlen, sind Sie völlig gesund und normal.

Negative Gedanken verhindern aber auch, dass Sie sich so verhalten können, wie Sie es möchten.

Sie führen dazu, dass Sie vielleicht "Ja" sagen, obwohl Sie eigentlich "Nein" sagen möchten, oder dass Sie Ihre Meinung nicht sagen oder Ihre Wünsche nicht äußern, weil Sie befürchten, abgelehnt oder ausgelacht zu werden.

Eine andere Auswirkung negativen Denkens kann sein, dass Sie nicht das tun, wozu Sie Lust haben, weil Sie befürchten, von anderen kritisiert zu werden, und dass Sie sich nicht durchsetzen können.

Negative Gedanken erschweren es Ihnen auch, Neues zu wagen oder friedlich mit Ihren Mitmenschen zu leben.

Wenn Sie sich besser fühlen wollen und mehr von dem tun möchten, was Sie für richtig und gut halten, dann müssen Sie Ihr Denken verändern. Stellen Sie sich die Frage:

"Hilft mir der Gedanke, mich so zu fühlen und zu verhalten, wie ich es möchte?"

Ist die Antwort "Nein", dann verbannen Sie diesen Gedanken aus Ihrem Kopf.

Es genügt jedoch nicht, einen negativen, übertriebenen Gedanken aus dem Kopf zu verbannen, Sie benötigen noch einen alternativen Gedanken. Nach einem positiven hilfreichen Gedanken suchen Sie mit der Frage:

Bevor Sie die Frage beantworten können, müssen Sie sich klar darüber werden, welches Ziel Sie erreichen möchten.

Hierbei sollten Sie vor Augen haben, was Sie ganz persönlich erreichen möchten, aber auch welche Konsequenzen dies möglicherweise bei Ihrem Umfeld haben könnte.

Ziele, die anderen schaden oder unerwünschte Konflikte mit ihnen auslösen, sollten Sie sich nicht auswählen.

Haben Sie eine passende Antwort auf diese Frage gefunden, ersetzen Sie den negativen Gedanken durch diesen eher positiven oder realistischen Gedanken - wann immer Sie daran denken.

Dieser neue hilfreiche Gedanke ist auch die Basis für Vorstellungsübungen. Näheres hierzu finden Sie in den Selbsthilfe Informationen Mentales Training.

Unterschied zwischen gesundem Denken und positivem Denken

Gesundes Denken bedeutet nicht gleichzeitig auch positives Denken. Wir können und müssen nicht jede Situation positiv sehen.

Es gibt Ereignisse, bei denen es angemessen ist, besorgt, traurig, beunruhigt oder enttäuscht zu sein, z.B. wenn unser Partner uns verlassen hat, wir unsere Anstellung verloren oder eine ernste Krankheitsdiagnose bekommen haben.

Alles nur positiv zu bewerten, ist nicht hilfreich. Erstens wird uns dies kaum gelingen. Zweitens hilft eine positive Bewertung auch nicht, Situationen zu verändern, die wir zu unseren Gunsten verändern könnten.

Sich einzureden, dass man heute seinen Traummann findet oder die Anstellung im Traumjob bekommt, kann zu einer großen Enttäuschung führen.

Es ist aber auch nicht hilfreich, alles negativ zu sehen, denn dann sind Angst, Frustrationen, Trauer und Wut unsere ständigen Begleiter.

Sich einzureden, dass man nie mehr einen Partner oder eine Anstellung bekommen wird, würde uns wenig helfen.

Solange wir keine ernsthaften Bemühungen um Veränderung unserer Situation unternommen haben, ist dies nur einen Vermutung.

Eine hilfreiche Einstellung könnte z.B. sein: "Ich tue alles, um einen Partner oder eine Anstellung zu finden. Ich habe genügend anzubieten."

Gesundes Denken bedeutet "der Situation angemessenes" Denken. Wir unterschätzen unsere Einflussmöglichkeiten nicht, überschätzen sie aber auch nicht.

Weitere Informationen zum negativen Denken und welche Formen des negativen Denkens es gibt.

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