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Verlustängste - Angst den Partner zu verlieren

von Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin

Verluste sind ein unumgänglicher Bestandteil des Lebens. Wir können ihnen nicht aus dem Weg gehen und müssen lernen, mit ihnen zu leben und mit ihnen umzugehen.

Menschen mit Verlustängsten versetzen sich jedoch über einen Verlust in Angst und Panik, der noch nicht eingetreten ist. Am häufigsten bezieht sich die Verlustangst auf den Partner, weshalb wir uns hier auch damit beschäftigen. Je wichtiger uns dieser ist, je intensiver unsere Gefühle ihm gegenüber sind und je mehr wir befürchten, ihn verlieren zu können, umso größer ist unsere Verlustangst. Hier kommt dann oft Eifersucht ins Spiel, die u.a. eine Folge der Verlustangst ist.

Wir haben Angst, unserem Partner nicht zu genügen. Wir haben Angst, nicht attraktiv und gut genug für ihn zu sein. Wir zweifeln an unserer Attraktivität und zweifeln deshalb daran, für ihn attraktiv und liebenswert zu sein. Wenn man sich mit anderen vergleicht und immer schlecht abschneidet, weil man andere für besser, klüger humorvoller oder attraktiver hält, dann ist es verständlich, dass alle anderen ernsthafte Konkurrenten sind, die für den Partner sehr viel interessanter sein müssen, als man selbst.

Um unsere Verlustängste zu lindern und unseren Partner an uns zu binden, lassen wir uns einiges einfallen. Wir klammern uns an den Partner, fragen ihn immer wieder, ob er uns noch liebt, lassen ihn nicht alleine weggehen, bombardieren ihn mit Kontrollanrufen und unterziehen ihn einem Verhör, wenn er später, als abgesprochen, nach Hause kommt. 

Eine weitere Strategie besteht vielleicht darin, dass wir uns besonders anpassen, besonders lieb zu unserem Partner sind und uns nicht getrauen, Nein zu sagen. Wir geben uns ihm gegenüber so, wie wir glauben, dass er es von uns erwartet. Wir verleugnen also unsere Bedürfnisse und stecken immer zurück, nur um dem Partner keinen Anlass zu geben, mit uns unzufrieden zu sein. Wenn all das nichts nützt, um unseren Partner an uns zu binden, dann greifen wir vielleicht zum letzten Mittel: wir drohen, uns umzubringen.

Woher kommen Verlustängste?

Eine Verlustangst kann viele Ursachen haben. Diese kann schon in der Kindheit entstehen, wenn sich z.B. unsere Eltern getrennt haben und der getrennt lebende Elternteil, z.B. der Vater den Kontakt zu uns einfach abbricht. Wir lernen dann, eine enge Beziehung mit Schmerz zu verknüpfen und erleben, dass wir absolut hilflos sind. Vielleicht glauben wir sogar, schuld daran zu sein, dass der Vater sich nicht mehr meldet.

Hat unsere Mutter uns überbehütet und uns wenig Chancen gelassen, eine Unabhängigkeit und Selbständigkeit zu entwickeln, gelangten wir vielleicht zu der Einstellung, auf andere angewiesen zu sein, andere zu brauchen, um überleben zu können.

Auch im späteren Leben können Verlustängste noch entstehen – dann wenn wir eine Trennung oder mehrere schmerzhafte Trennungen oder Scheidungen hinter uns haben und die Trennung immer vom Partner ausging. Vielleicht hat unser Partner uns knall auf Fall verlassen oder jahrelang betrogen. Unser Vertrauen in andere ist dahin und wir sind völlig verunsichert und zweifeln an uns.

Generell haben Menschen mit starker Verlustangst ein geringes Selbstwertgefühl und schätzen ihre Fähigkeiten, alleine zu leben und mit einem Verlust umzugehen, eher gering ein. Sie geben dem Partner sehr viel Macht über ihre Gefühle und ihr Leben. Obwohl sie sich in jeder neuen Beziehung vornehmen, zu vertrauen und nicht mehr zu klammern, verspüren sie ihre Verlustangst immer wieder aufs Neue.

Wie Verlustängste überwinden?

Eine Verlustangst können wir überwinden, es ist jedoch meist ein längerer Weg. Und häufig ist dazu eine psychotherapeutische Unterstützung notwendig.

Ob alleine oder mit Hilfe eines Psychotherapeuten: zunächst macht es Sinn, nach den Wurzeln unserer Verlustangst zu suchen: Was waren unsere ersten Verlusterfahrungen? Welche Überzeugungen und Einstellungen haben wir daraus für uns und unser Leben abgeleitet?

Dann müssen wir überprüfen, ob diese Überzeugungen heute noch auf unser Leben zutreffen und sie gegebenenfalls korrigieren. Auch wenn wir bereits viele negative Erfahrungen und Enttäuschungen mit anderen Menschen gemacht haben, bedeutet dies nicht, dass es immer so sein muss. Wir müssen uns darin trainieren, nach den Beweisen dafür zu suchen, dass unser Partner uns liebt, statt nach Hinweisen für einen Verlust zu suchen.

Neben unseren Einstellungen müssen wir auch unser Verhalten überprüfen und korrigieren: Was tragen wir selbst dazu bei, dass wir immer wieder negative Erfahrungen machen? So könnte es sein, dass wir durch unser Klammern und unser starkes Bedürfnis nach Bestätigung durch den Partner diesen immer wieder vertreiben, weil dieser sich eingeengt und angekettet fühlt.

sich annehmen lernenGenerell ist es wichtig, unser Selbstwertgefühl und unser Selbstvertrauen zu stärken. Wir müssen lernen, uns für attraktiv und liebenswert zu halten und dass wir das auch bleiben, wenn unser Partner sich gegen uns entscheidet. Dann sind wir unabhängiger und selbstständiger und brauchen den Halt durch andere nicht mehr so stark. Wir sind dann nicht mehr von der Bestätigung des Partners abhängig.

Schauen Sie sich auch die Beiträge Angst zu vertrauen und Angst vor dem Alleinsein an. Dort finden Sie weitere nützliche Hinweise für den Umgang mit der Angst vor Verlusten.

Ich wünsche Ihnen den Mut, Ihr Misstrauen und Ihre Angst in Vertrauen zu wandeln. Vertrauen ist die Grundlage jeder Partnerschaft. Alles Gute für Sie.

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