Die Beiträge zur Angst, hässlich zu sein, sind auch als Video verfügbar.

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Selbsthilfe Forum Angst
Mit belastenden Gefühlen umgehen lernen
Eine Gebrauchsanleitung für Gefühle von den Psychologen Wolf und Merkle
Auflage 260.000 Exemplare

von Dr. Rolf Merkle, Psychotherapeut
Nicht nur die Schönheit liegt im Auge des Betrachters, auch die Hässlichkeit.
Dieser Satz ist wohl für niemand anderen von größerer Bedeutung als für Menschen, die unter der Angst, hässlich zu sein (Dysmorphophobie, körperdysmorphe Störung) leiden. In ihren Augen sind sie nämlich äußerlich total entstellt, abstoßend und hässlich. Sie hassen sich dafür und ekeln sich vor sich selbst. Und da sie sich selbst hassen und ablehnen, haben sie panische Angst vor Ablehnung und negativen Reaktionen ihrer Mitmenschen.
Um diesen Text lesbarer zu machen, werde ich im folgenden nur noch von einer Dysmo sprechen, wie es die Betroffenen auch tun.
Sind Menschen, die überzeugt sind, hässlich zu sein, durch einen Unfall oder eine Laune der Natur äußerlich so entstellt, dass man ihre negative Selbstwahrnehmung nachvollziehen könnte? Nein.
Ihre Hässlichkeit existiert nur in ihren Augen. Ihre Hässlichkeit machen sie an einem Makel oder Schönheitsfehler fest, der für Außenstehende meist nicht erkennbar ist, weil er nämlich nur in den Augen der Betroffenen existiert oder so minimal ist, dass er nur unter eine Lupe auffällt. Dies kann eine vermeintliche Asymmetrie des Gesichtes sein oder eine in ihren Augen schiefe oder krumme Nase, die sie verunstaltet und entstellt. Sie sehen diesen vermeintlichen Makel quasi wie unter einem Mikroskop und glauben so, sie bestünden nur aus diesem eingebildeten Makel oder aber sie sehen sich wie in einem Zerrspiegel, der aus jedem Menschen ein unförmiges Monster macht.
Für Außenstehende ist das harte Urteil der Betroffenen in keinster Weise nachvollziehbar, da diese keinen Makel feststellen können. Im Gegenteil: in den Augen der Außenstehenden sind die Betroffenen meist äußerst attraktiv und oftmals ein richtiger Hingucker. Dies bestätigen sich selbst Betroffene immer wieder untereinander. D.h. selbst Menschen, die unter einer Dysmo leiden, halten andere Betroffene, die sich für absolut hässlich halten, für äußerst attraktiv. Die vermeintlichen Makel wie eine fleckige Haut oder eine hässliche lange Nase werden von den Leidensgenossen überhaupt nicht wahrgenommen. Im Gegenteil: die beanstandeten Körperstellen werden häufig als sehr attraktiv bezeichnet und die anderen wären froh, sie hätten eine solch tolle Haut, Nase oder Figur.
Eine Überbewertung des Aussehens, eine übermäßige Beschäftigung mit einem eingebildeten Makel und eine gestörte Selbstwahrnehmung, verbunden mit starker Selbstablehnung bis hin zu Hass auf sich selbst und seinen Körper.
Bei der Dysmo handelt es sich also um eine Wahrnehmungsstörung in Bezug auf die eigene Person. Man kann sehr attraktiv sein und sich trotzdem hässlich fühlen. Um es überspitzt auszudrücken: Menschen mit einer Dysmo würden sich auch als Miss Germany hässlich vorkommen.
Diese eingebildete Hässlichkeit ist für die Betroffenen so real, dass sie sagen, sie würden sich ihre Hässlichkeit nicht einbilden, sie seien vielmehr hässlich.
Tamara, eine Betroffene, schildert das so.

Ich wäre froh, wenn ich diese Krankheit hätte. Ich finde, dass ich keine Dysmo habe. Es ist vielmehr eine Tatsache, dass ich hässlich bin und keine Einbildung trotz der Komplimente, die ich bekomme, und obwohl mein Therapeut sagt, dass mein Gesicht dem Schönheitsideal entspricht. Das sagen alle nur, weil das deren Job ist oder sie mich nicht verletzen wollen. Ich fühle mich wertlos und als die hässlichste Person auf der ganzen Welt. Rund um die Uhr denke ich an nichts anderes als an die Makel in meinem Gesicht und dass ich eine Missgeburt bin.
Genauso wie Tamara geht es den vielen, die unter dieser Krankheit leiden. Die Überzeugung, hässlich zu sein, ist so stark, dass sie ausschließen, dass es sich bei ihnen um eine Krankheit, nämlich eine Wahrnehmungsverzerrung, handeln könnte.
Und die Betroffenen leiden so sehr darunter, dass manche sagen, sie würden für ein perfektes Gesicht gerne auf ein Bein oder ein anderes Körperteil verzichten. D.h. ihr Leidensdruck ist enorm groß.
Bei manchen Menschen, die sich einbilden, hässlich zu sein, wechseln sich gute mit schlechten Tagen ab. D.h. ihr Äußeres macht ihnen mal mehr, mal weniger zu schaffen. Sie haben Tage, an denen sie sich relativ wenig Gedanken um ihr Äußeres machen und es ihnen relativ gut geht. Ja, es gibt sogar Momente, in denen sie sich richtig „geil“ und attraktiv finden. Und dann haben sie wieder Tage, an denen sie sich total beschissen fühlen, sich abgrundtief hassen und fertig machen.
Andere Betroffene machen keine solchen Hoch- und Tiefpunkte durch: sie fühlen sich permanent als die hässlichste Person auf der Welt und finden sich ständig zum kotzen.
Andere fühlen sich vor allem dann sehr schlecht, wenn sie unter Menschen sind, sich vergleichen und feststellen: Alle anderen sind schön, du bist die hässlichste von allen. Gerade eben noch waren sie zuhause und waren mit ihrem Aussehen zufrieden, und kaum sind sie auf der Straße, fühlen sie sich im Vergleich zu anderen hässlich und abstoßend.
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