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Redeangst Ursachen

Redeangst ist erlernt und hängt oft mit traumatischen Erfahrungen in der Vergangenheit, meist in der Jugend zusammen.

So machen viele Menschen, die unter Redeangst leiden, in ihrer Jugend ein oder mehrmals die Erfahrung, vor der Klasse bei einem Referat bloßgestellt zu werden und sich hilflos und gedemütigt zu fühlen. Diese Erfahrung ist so schmerzlich, dass sie auch auf uns Einfluss hat, wenn wir erwachsen sind. Wir tragen gleichsam immer noch den verletzten Jungen oder das verletzte Mädchen in uns.

Bernd, ein Betroffener, erzählt

Ein Betroffener berichtet über seine Redeangst

Ich hatte in meiner Kindheit nie Probleme vor anderen zu sprechen – bis ich in der 9. Klasse war. Ich sollte die Hausaufgaben vorlesen. Der Lehrer hatte an jedem Satz etwas auszusetzen. Er korrigierte und verbesserte mich ständig. Ich kam mir richtig blöd vor. Meine Mitschüler grinsten und ich stand wie ein Idiot vor der Klasse. Als ich das nächste Mal etwas vortragen sollte, war das die Hölle. Mein Herz schlug bis zum Hals, meine Stimme zitterte, ebenso mein Körper. Ich bekam schwitzige Hände, meine Kehle war wie zugeschnürt. Die ersten Sätze schaffte ich noch, dann war es vorbei. Ich hab das Referat total verhaun und bekam eine glatte 6. Danach habe ich mich immer vor Referaten gedrückt. Ich hatte immer Ausreden parat: Ich habs zu Hause vergessen, mir ist schlecht, usw. Ich habe deswegen auch meinen Schulabschluss nicht geschafft.

Seit Juli mache ich eine Ausbildung zum Verkäufer und Präsentationen sind Hauptbestandteile in den Seminaren. Bisher musste ich eine Präsentation halten und es war die Hölle. Ich war so neben mir, dass ich mich an nichts mehr erinnern konnte was ich erzählt habe. Ich habe gezittert, bekam ein permanentes Schluckgefühl, Atemprobleme, es war die Hölle.

Können Sie sich auch an ein solch traumatisches Erlebnis in Ihrer Jugend erinnern? Dann ist es sehr wahrscheinlich, dass dieses traumatische Erlebnis Sie heute noch beeinflusst, wenn Sie eine Rede halten sollen. Ihr Körper und Geist haben dieses traumatische Erlebnis gespeichert und erinnern Sie daran, wenn Sie heute eine Rede halten sollen. Es kommen in Ihnen die gleichen Gefühle hoch, die Sie damals als Jugendlicher hatten: Sie fühlen sich hilflos, bloßgestellt, beschämt. Verständlich, dass Sie Angst haben, Ihnen könnte so etwas noch einmal passieren.

Neben einer solch traumatischen Erfahrung in der Schulzeit können weitere Faktoren die Entstehung einer Redeangst begünstigen, so etwa zu hohe Ansprüche an uns selbst. Wir verlangen von uns vielleicht, alles perfekt machen zu müssen, uns keine Fehler erlauben zu dürfen. Wir verlangen von uns:

Ich muss unbedingt gut ankommen.

Ich muss immer intelligent und interessant wirken.

Ich muss die Zuhörer überzeugen.

Ich muss fließend sprechen, etwas Interessantes sagen, souverän sein.

Ich darf auf keinen Fall zittern, erröten, stottern, nervös sein.

Ich darf auf keinen Fall zeigen, dass ich unsicher und aufgeregt bin.

Mit dem eigenen Anspruch steigt aber auch die Angst, Fehler zu machen und damit die Angst, uns zu blamieren und kritisiert zu werden. Eine Betroffene sagte einmal: "Je höher meine Erwartungen an mich sind, umso mehr Angst habe ich, einen Fehler zu machen."

Das Streben nach Perfektion ist meist ein Ausdruck eines geringen oder angeschlagenen Selbstwertgefühls. Je geringer unser Selbstwertgefühl ist, je mehr wir denken, nicht in Ordnung zu sein, umso mehr haben wir nämlich Angst vor Ablehnung und Kritik. Eine Strategie, um mit Angst vor Ablehnung und Kritik umzugehen, ist das Streben nach Perfektion – nach dem Motto: wenn ich alles perfekt mache, dann gebe ich mir keine Blöße und dann kann mich auch keiner kritisieren.

Mangelndes Selbstwertgefühl führt auch zu einem starken Bedürfnis nach Anerkennung und einer großen Angst vor Ablehnung. Wir verlangen dann:
Die Zuhörer dürfen mich nicht ablehnen.
Das Publikum muss mich sympathisch finden.
Ich muss bei allen gut ankommen.

Und schließlich stellen wir uns ängstlich eine Menge Fragen. Diese beginnen alle mit „Was ist, wenn ...?
Was ist, wenn ich stottere?
Was ist, wenn ich nicht weiter weiß?
Was ist, wenn die anderen merken, dass ich unsicher bin?
Was ist, wenn ich mich blamiere?
Was ist, wenn ich versage?
Was ist, wenn ich rot werde?

Die Antwort auf diese Fragen geben wir uns selbst im gleichen Atemzug: Das wäre furchtbar, das wäre unerträglich, das wäre peinlich, das wäre mein Ende.

Angesichts solcher Gedanken und Katastrophenbilder ist es nicht verwunderlich, wenn wir vor einem Vortrag in Panik geraten, oder? Und bei solchen Gedanken ist es auch ganz normal, wenn unser Selbstvertrauen noch mehr in den Keller geht. Auch nicht verwunderlich, oder?

Redeangst Behandlung

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