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Behandlung der Angst vorm Erbrechen (Emetophobie)

Wer unter einer Angst zu erbrechen leidet, steht meist unter starkem Leidensdruck und sein Alltag ist erheblich eingeschränkt. Die Sorge um das Erbrechen schluckt einen großen Teil der Aufmerksamkeit und Energie. Wenn man sich immer mehr isoliert oder sogar der ganze Lebenssinn in Frage gestellt ist, dann sollte man dringend Kontakt zu einem Psychotherapeuten aufnehmen.

Konkret heißt das: nehmen Sie Kontakt zu einem Therapeuten auf,
- wenn Sie merken, dass Sie eine Essstörung entwickeln, wenn Sie also aus Angst vor dem Erbrechen die Nahrungsaufnahme so stark reduzieren, dass es zu Mangelernährung und Untergewicht kommt.

- wenn Sie sich unregelmäßig und einseitig ernähren und infolge dessen Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Blähungen und Verstopfung haben.

- wenn Sie häufig zu Antibrechmitteln oder Beruhigungsmitteln greifen.

- wenn Sie sich täglich und rund um die Uhr nur noch mit der Möglichkeit des Erbrechens beschäftigen und an nichts anderes mehr denken können.

- wenn Sie soziale Kontakte immer mehr meiden und andere Ihnen vorwerfen, Sie seien ein Spielverderber und Miesepeter.

-  wenn Sie aufgrund von Angst vor Ansteckung zwanghaft auf Hygiene achten, d.h. sich z.B. täglich mehr als üblich, die Hände waschen oder mehrmals die gleichen Lebensmittel auf ihr Verfallsdatum hin überprüfen.

Zögern Sie nicht, einen Therapeuten aufzusuchen. Es gibt Hilfe. Sie können lernen, mit Ihrer Angst umzugehen.

Wie wird die Angst, zu erbrechen, behandelt?

In einer Therapie, insbesondere in einer kognitiven Verhaltenstherapie, können Sie lernen, mit der Angst, dass Ihnen übel werden und Sie erbrechen könnten, umzugehen. Dies werden Ihnen viele Emetophobiker bestätigen. Was erwartet Sie in einer Therapie?

Zusammen mit Ihrem Therapeuten werden Sie vermutlich zunächst schauen, ob sich in Ihrer Vergangenheit eine Erklärung für Ihre Erkrankung finden lässt. Möglich, dass Sie hierbei fündig werden. Es kann aber auch sein, dass nicht. Wie auch immer die Suche ausgeht, für Ihre Therapie hat das keine großen praktischen Konsequenzen.

Ein Schwerpunkt Ihrer Therapie wird nämlich darin bestehen, die Prinzipien der Angstentstehung und Bewältigung kennenzulernen und anzuwenden. D.h. Ihr Therapeut wird sich mit Ihnen über das Wesen der Angst unterhalten: wie Sie diese erzeugen, wie Sie diese verstärken und wie Sie diese mental bewältigen und kontrollieren können.

Da alle Theorie grau ist, liegt ein weiterer Schwerpunkt Ihrer Therapie darin, sich ihrer Angst zu stellen. Angst kann man nur besiegen, wenn wir uns ihr stellen, wenn sie auftritt. Wenn wir vor ihr flüchten, wenn wir uns ablenken, können wir nicht lernen, mit ihr umzugehen. D.h. Ihr Therapeut wird Sie auffordern, sich mit Ihrer Angst zu konfrontieren und sie zu spüren.

Konkret bedeutet das: Sie werden sich in die Situationen begeben, die Sie aus Angst vor dem Erbrechen gemieden haben. Sie müssen sich die Chance geben, zu erleben, dass die Übelkeit eine Begleitung Ihrer Angst ist und Ihre Angst, zu erbrechen, unbegründet ist. Und selbst wenn Sie erbrechen sollten, können Sie lernen, damit umzugehen. Das gibt Selbstvertrauen. Schließlich würden Sie doch auch nach einem Autounfall weiter Auto fahren, oder?

Vielleicht wird Ihnen Ihr Therapeut auch Bilder mit Menschen zeigen, die erbrechen oder Sie in der Realität mit solchen Situationen konfrontieren. Sie werden sich diese Bilder so lange ansehen, bis Ihnen diese gleichgültig sind und Sie bei deren Anblick nichts mehr empfinden – außer vielleicht einem kleinen Ekel, der aber völlig normal ist. D.h. Sie müssen eine Menge unangenehmer Gefühle und Gedanken in Kauf nehmen – aber das tun Sie ja bereits jetzt schon.

Ihr Therapeut wird Sie vermutlich auch auffordern, Ihr Sicherheitsdenken und Verhalten aufzugeben, sprich, ohne Kotztüte oder Medikamente aus dem Haus zu gehen, oder gänzlich auf die Einnahme von Antibrechmitteln zu verzichten.

Vielleicht wird Ihr Therapeut mit Ihnen auch über Ihre Angst vor dem Kontrollverlust sprechen. Warum haben Sie Angst, die Kontrolle zu verlieren? Kontrolle ist ein Ausdruck von Misstrauen. Letztlich geht es um Vertrauen, um den Verlust der inneren Sicherheit. Warum fehlt Ihnen dieses Vertrauen? Schritt für Schritt ein Vertrauen aufbauen, und so das übersteigerte Kontrollbedürfnis in puncto Erbrechen aufgeben.

Je nach Ihrer psychischen Verfassung, wird Ihr Therapeut mit Ihnen auch über Ihr Selbstvertrauen sprechen und Ihnen zeigen, wie Sie dieses stärken können. Vielleicht sind auch Selbstbewusstsein und selbstsicheres Auftreten ein Thema, denn wie ich bereits gesagt habe: die Angst zu erbrechen ist vielleicht nur ein Schutz. Dahinter verbergen sich möglicherweise andere Ängste.

Wenn man ständig Angst hat – und sei es nur unbewusst – dann ist das für den Körper ein Dauerstress. Verständlich wenn einem irgendwann dieser Stress auf den Magen schlägt und es einem übel wird und das erst recht, wenn man sich dann noch unregelmäßig ernährt oder zu wenig isst oder bei jedem Bissen Angst hat, man könnte etwas essen, von dem einem schlecht werden könnte.

Wenn selbst jeder Bissen eine Gefahr darstellt, - weil einem übel werden könnte - man nicht mehr unbeschwert essen und trinken kann, dann ist das ein zusätzlicher Stressfaktor, der auf den Magen schlägt. Deshalb wird Ihr Therapeut Ihnen sicherlich empfehlen, ein Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung zu erlernen, um die durch Ihre ständige Angst im Körper hervorgerufenen Stressreaktionen abzubauen.

Informationen für Angehörige eines Emetophobikers

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