Redeangst und Sprechangst 4: Therapie

Wenn Sie Ihre Redeangst in einer Therapie überwinden möchten dann werden Sie sich eine Reihe von Strategien aneignen die ich Ihnen hier vorstelle.

Was tun, wenn man panische Angst vor Vorträgen hat? Wie eine lähmende Sprechangst überwinden? Davon handelt dieses Video.

Wenn Sie Ihre Redeangst überwinden wollen, dann bedeutet das, an den Ursachen Ihrer Redeangst anzusetzen - nämlich an Ihren angsterzeugenden Gedanken. Hierfu?r eignen sich am besten die Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Dieses Behandlungsverfahren zeigt die besten und schnellsten Erfolge. Alle Strategien haben zum Ziel, Ihre Angst zu versagen und kritisiert zu werden, abzubauen und Ihr Selbstvertrauen aufzubauen. Diese Ziele werden mit verschiedenen Therapiebausteinen erreicht. An erster Stelle steht die Gedankenkontrolle.

Hier lernen Sie den Zusammenhang zwischen Ihren Gedanken und Gefu?hlen kennen, insbesondere wie sich angstvolle Gedanken und Phantasien auf Ihre Angst auswirken. Sie lernen, negative Selbstgespra?che wie z.B. "Ich darf mich nicht blamieren", die Sie blockieren und la?hmen, durch hilfreiche Selbstgespra?che zu ersetzen. In dem Maße, in dem Sie lernen, Ihre angstauslo?senden Gedanken zu kontrollieren und durch hilfreiche Gedanken zu ersetzen, in dem Maße ko?nnen Sie einer Rede gelassener entgegensehen.

Auch Ihre generellen Einstellungen zu sich, Ihrer Leistung und der Reaktion der anderen werden einen U?berpru?fung unterzogen. Sie lernen z.B. zu hohe Anspru?che, die Sie an sich haben und Ihr Streben nach Anerkennung abzubauen.

Vielleicht wird Ihr Therapeut Sie auch zu einzelnen Verhaltensexperimenten ermutigen, in denen Sie bewusst Ihre Erwartungen u?berpru?fen - z.B. bewusst die Reaktion der Zuho?rer beobachten oder auf eigene Reaktionen achten. Mo?glicherweise wird er auch Videoaufzeichnungen einsetzen, um Ihnen die Mo?glichkeit zu geben, sich quasi einmal als Außenstehender zu erleben. Bislang war es vermutlich so, dass Sie sich im Vorfeld der Rede alle mo?glichen Katastrophen ausgemalt haben.

Sie erinnern sich vielleicht noch an Bernd, der sagte: Ich stelle mir vor, alle glotzen mich an. Ich werde rot, ich verspreche mich, ich stammle wirres Zeug, verliere den Faden, mir bleibt die Luft weg, ich bekomme keinen Ton mehr heraus, habe einen Blackout, meine Ha?nde zittern.

Wenn wir uns solche Horrorszenarien ausmalen, dann ist es kein Wunder, dass wir in Panik geraten, oder? Beim mentalen Training - einem weiteren Baustein der Therapie - machen Sie gerade das Gegenteil. D.h. Sie stellen sich vor, wie Sie Ihre Rede erfolgreich halten. Sie nutzen Ihre Vorstellungskraft fu?r die Bewa?ltigung der Redesituation.

Wenn Sie sich hilfreiche Gedanken und Phantasien erarbeitet haben, dann gilt es fu?r Sie, sich bewusst mit Redesituationen zu konfrontieren und zu u?ben. Dies kann anfangs in Rollenspielen, spa?ter dann in tatsa?chlichen Redesituationen passieren. Hier geht es darum, die in der Therapie erworbenen Bewa?ltigungsstrategien anzuwenden und zu erleben, dass Sie mit der Angst so umgehen ko?nnen, dass diese Sie nicht mehr la?hmt und blockiert.

Ein weiterer, sehr wichtiger Baustein der Redeangsttherapie ist der Aufbau und die Sta?rkung Ihres Selbstvertrauens. Selbstvertrauen haben bedeutet, sich selbst zu vertrauen. Es bedeutet, Vertrauen in die eigenen Fa?higkeiten zu haben und von sich u?berzeugt zu sein.

Im Moment ist es eher so, dass Sie sich selbst nicht u?ber den Weg trauen. Sie trauen sich nicht zu, eine Rede zu halten, sehen sich als unfa?hig oder gar minderwertig. In der Therapie lernen Sie z.B. sich selbst gut zuzureden und aufzubauen, statt sich klein zu reden. Sie arbeiten auch an Ihren selbstabwertenden und Ihr Selbstwertgefu?hl verletzenden Gedanken, d.h. Sie lernen z.B., sich selbst mehr anzunehmen.

Ein weiterer Baustein Ihrer Redeangsttherapie ist die Verarbeitung einer traumatischen Erfahrung in der Jugend. Wenn Sie in der Jugend ein traumatisches Erlebnis bei einem Vortrag hatten, dann fa?llt Ihnen diese peinliche Situation heute immer wieder ein, wenn Sie einen Vortrag halten sollen.

Und Sie verspu?ren dann immer wieder reflexartig Ihre Unsicherheit, Ihre Hilflosigkeit und Ihre Scham von damals. Ihr Therapeut kann Ihnen zeigen, wie Sie diesen Automatismus abschwa?chen und sich so von den vergangenen Erfahrungen freimachen ko?nnen.

Ebenfalls sehr hilfreich fu?r die Bewa?ltigung der Redeangst, ist das Erlernen eines Entspannungsverfahrens und/oder einer Atemtechnik. Das am ha?ufigsten eingesetzte Verfahren ist die Progressive Muskelentspannung, da dieses Verfahren sehr leicht zu erlernen ist und sehr schnell und zuverla?ssig wirkt.

Und schließlich wird Ihr Therapeut Ihnen wahrscheinlich auch noch Strategien an die Hand geben, wie Sie mit Pannen, wie etwa einem Blackout, umgehen ko?nnen. Auch nach einer Therapie werden Sie noch Lampenfieber haben. Das ist normal. Was Sie jedoch in einer Therapie u?berwinden lernen, ist die panische Angst vor Reden und die mit der Angst verbundenen la?hmenden Gefu?hle und Ko?rperreaktionen.

Wichtig zu wissen Schwimmen lernt man nur durch schwimmen. Reden halten lernt man nur durch reden. Das heißt: U?bung macht den Meister. Nur indem Sie sich der Angst ausssetzen und immer wieder Reden halten, u?berwinden Sie Ihre Redeangst.

Welche Medikamente helfen bei Redeangst?

Ein Mittel gegen Redeangst gibt es nicht, wohl aber Medikamente die helfen, die mit der Redeangst verbundenen körperlichen Symptome zu dämpfen. Benzodiazepine können kurzfristig eingesetzt werden, wenn eine Redesituation bewältigt werden muss. Sie wirken rasch, nach etwa 20 Minuten, und haben gewöhnlich wenig Nebenwirkungen.

Über längere Zeit (4 und mehr Wochen) eingenommen, besteht jedoch eine große Suchtgefahr bei diesen Medikamenten.

Deshalb rate ich Ihnen von einer täglichen Einnahme ab. Sogenannte Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer sind sicherer und verträglicher. Viele Betroffene schwören auf Betablocker, die sie kurz vor einer Rede nehmen. Betablocker reduzieren die mit der Redeangst verbundenen störenden Körperreaktionen ohne jedoch die Denkleistung zu beeinträchtigen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob er Ihnen ein solches Medikament verschreiben will oder kann. Wenn er dies tut, nehmen Sie zu Testzwecken mal eine Pille, um zu sehen, ob und wie diese bei Ihnen wirkt.

Generell sind Medikamente nur eine Notlösung, keinesfalls eine Dauerlösung. Nach dem Absetzen besteht eine große Rückfallgefahr. Wenn Sie öfters Reden halten müssen, dann lernen Sie besser, Ihre übersteigerte Redeangst zu überwinden.

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