Angst & Panik Beratung für Betroffene und Angehörige

Angst, Wasser zu lassen - Ursachen & Behandlung der Paruresis

Angst vor dem Wasserlassen (Paruresis) kann ein großes Problem sein. Wie die Angst vor dem Urinieren entsteht, sich äußert und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie in diesem Video.

© Dr. Rolf Merkle, Diplom-Psychologe

Die Angst vor dem Wasserlassen wird auch als Paruresis, psychisch bedingte Blasenentleerungsstörung oder funktionelle Miktionsstörung bezeichnet.

Ob Sie an einer Blasenentleerungsstörung leiden und ob die Angst vorm Wasserlassen einer Therapie bedarf, erfahren Sie im Paruresis Test

Von der Angst vorm Urinieren betroffen sind in der Hauptsache Männer.

Sie haben Angst, auf öffentlichen Toiletten im Beisein anderer zu pinkeln oder wenn die Gefahr besteht, dass jemand die Toilette betreten könnte, während sie pinkeln.

Entweder dauert es lange, bis die Betroffenen Wasser lassen können oder es ist ihnen völlig unmöglich.

Problematisch ist für viele auch, wenn sie in der Toilettenkabine sind und sich im Raum davor nur 1-2 Personen befinden und ansonsten Totenstille herrscht.

Dann haben die Betroffenen das Gefühl, andere könnten merken, dass es bei ihnen nicht läuft und sich darüber lustig machen. Das macht es ihnen schwer oder unmöglich, zu pinkeln.

Sind viele Leute auf der Toilette und herrscht ein gewisser Geräuschpegel, dann haben Betroffene weniger oder keine Probleme.

Ursachen der Angst vorm Wasserlassen

Die Paruresis ist psychisch bedingt. Man könnte sie als eine Art (soziale) Phobie bezeichnen. Ursache für das Pinkel Problem ist eine Verkrampfung (Muskelanspannung) der Blasenmuskulatur.

Diese Verkrampfung wird durch unbewusste Ängste und/oder Schamgefühle hervorgerufen, die in der Regel in der Pubertät entstanden sind.

Aus Angst, kein Wasser lassen zu können und andere Mitpinkler könnten merken, dass man Probleme mit dem Urinieren hat, meiden Betroffene Pissoirs, in denen sie mit anderen in Reih und Glied stehen und beobachtet werden können.

Wenn während des Wasserlassens jemand die Toilette betritt, ist das meist kein Problem. Wenn es mal läuft, dann läuft es.

Folgen der psychisch bedingten Entleerungsstörung

Die Angst kann so groß sein, dass Betroffene nicht mehr ausgehen und nicht mehr verreisen.

Aus Sorge, ob man seine Blase entleeren kann, werden Besuche bei Freunden oder einer Party sowie längere Autofahrten oder Flüge, etwa in den Urlaub, Wanderungen und Ausflüge gemieden.

Betroffene nehmen berufliche Nachteile in Kauf, da sie keinen Berufen nachgehen können, bei denen sie viel reisen oder ständig mit anderen zusammensein müssen.

Die Angst, pinkeln zu müssen und dies nicht unbeobachtet tun zu können, kann zu körperlichem Dauerstress, Vereinsamung und Depressionen führen.

Aus Scham und Angst davor, als gestört und abnormal angesehen zu werden, verschweigen Betroffene ihr Problem vor anderen.

Behandlung der Angst vor dem Wasser lassen

Die Angst vor dem Wasserlassen ist leicht zu behandeln, da ihre Ursachen rein psychischer Natur sind!

Die psychisch bedingte muskuläre Anspannung ist das eigentliche Problem. Diese Verkrampfung der Blasenmuskulatur wird durch psychische Faktoren wie (Erwartungs)Angst und Schamgefühle hervorgerufen.

Ich habe 3 Selbsthilfe-Tipps für Ihre Pinkelhemmung:

Erstens: lernen Sie, das Nicht-vor-anderen-pinkeln-können nicht mehr als Schande und Katastrophe anzusehen.

Je mehr Sie nämlich das Nicht-vor-anderen-pinkeln-können als peinlich und beschämend finden, je mehr Sie Angst haben, wegen Ihres Problems von anderen belächelt oder ausgelacht zu werden, umso größer ist Ihre Angst und umso schwerer fällt es Ihnen, Wasser zu lassen.

Was ist so schlimm daran, dieses Problem zu haben? Was ist schlimm daran, wenn andere merken, dass es bei Ihnen länger dauert, bis sich Ihre Blase entleert?

Sind Sie deshalb kein richtiger Mann? Sind Sie nur ein richtiger Mann, wenn Sie in Reih und Glied mit anderen unbeschwert um die Wette pinkeln können?

Ich hoffe nicht. Ich hoffe, Sie haben mehr zu bieten.

Zweitens: lernen Sie, die durch eine negative Erfahrung in Ihrer Kindheit oder Pubertät hervorgerufene psychisch bedingte körperliche Verkrampfung, die das Wasserlassen erschwert oder unmöglich macht, zu überwinden.

Generell geht es darum: Sie müssen lernen, mental und körperlich lockerer und entspannter mit dem Pinkeln umzugehen. Sie wissen das vermutlich bereits.

Wenn Sie sich vor bzw. während des Pinkelns entspannen bzw. mental ablenken, indem Sie an etwas Schönes denken oder leise ein Lied summen, dann können Sie leichter unter den Augen anderer Wasser lassen.

Es hilft manchen Betroffenen, wenn sie während des Pinkelns die Luft anhalten und/oder in Gedanken von 20 bis 1 zählen. Warum? Weil sie durch das Luftanhalten bzw. Zählen abgelenkt sind. Einfach mal ausprobieren.

Deshalb haben Betroffene, wenn sie alkoholisiert sind, in der Regel keine Probleme mit dem Pinkeln.

Drittens: erlernen Sie ein Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Dieses hilft Ihnen, entspannter beim Wasserlassen zu sein.

Therapieempfehlung

Wenn Sie Ihre Angst vor Toilettengängen nicht alleine in den Griff bekommen, dann suchen Sie einen psychologischen Psychotherapeuten auf, der mit den Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie arbeitet.

Diese Behandlungsmethode bringt die besten und schnellsten Erfolge.

In wenigen Sitzungen können Sie lernen, Ihre Angst vorm Wasser lassen zu mindern und gänzlich zu überwinden.

Austausch über die schüchterne Harnblase in einem Forum

Ich wünsche Ihnen gute Besserung.

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